amavido Filmtrip Italien – Chasing the soul of Italy

Italien Roadtrip die erste

Zack- Flug verpasst. Zum ersten Mal in meinem Leben. Fängt ja gut an unsere amavido Filmtour.. Nun denn, haben Dominik – Mein Bruder und Mitgründer – und ich eben nur einen knappen Tag, um vor Ort die Ankunft des Italien Roadtrip Filmteams vorzubereiten. Nächster Tag, nächster Versuch..

Die Seele Italiens einfangen

Diesmal waren wir etwas erfolgreicher und so startet am 25. Mai 2017 dann endlich unser Italien Roadtrip – die #chasingthesoulofitaly Tour.

Chasing WAS?! Die ganze Idee zu dieser Tour kam von Christopher Iwanow, Kameramann, der sich endlich einmal frei von Vorgaben entfalten wollte und dafür gute Motive suchte. Regisseur und Kumpel Benedikt Sittko von der Sittko Werner Filmproduktion kam daraufhin auf uns zu- Italien hat ja bekanntlich schöne Ecken. So wurde die Idee unserer „Jagd nach der Seele Italiens“ geboren.

amavido Roadtrip

Der Plan war, im Mai für zweieinhalb Wochen bei einem kleinen Italien Roadtrip durch einige der schönsten Dörfer zu streifen und besondere Momente und Szenen einzufangen. Durch die kleinsten Ortschaften, deren Natur und Menschen sollte die Seele Italiens verstanden und mit anderen Menschen geteilt werden.

Der Plan stand schon fast, als die Herren noch etwas spontaner entschieden, dass sowohl Kameraassistent als auch eine Schauspielerin dem Trupp angehören sollten. Unglaublicherweise fanden wir innerhalb einer Woche sowohl Kameraassistenten Christopher Link als auch Schauspielerin Simone Geißler, die uns auf unserem Abenteuer begleiten wollten. Auch dabei unser Designer und Fotograf Matthias Neumann, der mit 8000 Fotos italienische Augenblicke einfing.

Roadtrip Italien, erste Station: Longobardi, Kalabrien

Es konnte also losgehen. Die erste Station war Longobardi in Kalabrien, wo ein Teil unserer Familie lebt. Dominik und ich schafften es irgendwie, unser 2-Personen Häuschen in ein 5-Personen Appartement zu verwandeln. Wir hatten sogar noch Zeit, uns von unserer Tante mit einem typisch kalabresischen Mittagessen verwöhnen zu lassen: Pasta al Sugo, Kottelettes, Tomatensalat mit der süßen Zwiebel aus Tropea, Früchte vom eigenen Land und zum Abschluss Crema di Limone, Zitronenliqeur mit Sahne… Mmhh, delizioso!

Landschaft Kalabrien

Abends sollte der Rest des Teams mit dem Transporter voller Technik ankommen. Sie kamen auch an… allerdings erst beim zweiten Versuch. Der erste Versuch landete in einem anderen Longobardi in den Bergen. Benedikt schickte uns ein Bild, mit der Unterschrift: „auf dieser Piazza stehen wir, holt uns ab“. Wie sich herausstellte, waren sie in einem Dorf eine Stunde entfernt gelandet mit einem schauerlich bellenden Hund und einer einsamen Straßenlaterne… Aber aller guten Dinge sind zwei, wissen wir ja bereits vom Anfang der Geschichte mit unserem Flug.

Reichlich erledigt nach den 24 Stunden im Transporter erreichte die Gruppe schlussendlich unsere Piazza, die mit ihrem Meerblick ein doch etwas schöneres Bild abgibt. Nachdem Technik und Menschen im Haus verstaut waren, gab es noch eine Runde Bier, danach vielen wir alle in einen wunderbaren Tiefschlaf.

Den ersten Tag in Kalabrien ließen wir ruhig angehen und überließen dem Filmteam unsere „Campagna“, also unsere Ländereien. Früher wurde hier alles Mögliche angebaut, von Orangen bis zu Seidenraupen. Heute baut mein Onkel größtenteils zur Eigennutzung an. Langsam akklimatisierten sich unsere Filmleute, bauten ihre Camera Red auf und ließen zum ersten mal ihr Drohnen-Vögelchen in die Luft.

 Italien Roadtrip: Den Sonnuntergang in Pizzo einfagen

Jagd nach dem Sonnenuntergang

Den Sonnenuntergang wollten wir im Küstenörtchen Pizzo einfangen. Der uns dann aber glatt entwischte, zum Einen ist der Sonnenuntergang im Süden viel schneller vorbei, zum Anderen hatten wir die Größe des Sprinters und die Enge der Gassen in Pizzo etwas unterschätzt… und kamen dementsprechend schleichend und hupende Autos hinter uns herziehend voran.

Am nächsten Morgen ging es früh los. Nach einem schnellen Frühstück stiegen wir mit all unserer Technik auf das Motorboot meines Cousins 4. oder 5. Grades (irgendwie ist er wohl mit uns verwandt). Da Francesco außerdem einer unserer Gastgeber ist, organisierte er für uns alles nur erdenkliche, um uns- und im Film dann auch euch- Kalabrien in seiner Vielfalt zu zeigen. Nun aber erst mal aufs Motorboot. Bene sah mit reichlich Angstschweiß zu, wie die gute Technik Stück für Stück an Board des kleinen Bootes gezogen wurde. Ab ging’s wieder nach Pizzo, wo wir die wunderschöne Küste filmten sowie einen alten Fischer, der spontan zu unserem Filmdarsteller wurde.

Nach einem antiken Palazzo und einem Heiligenritual im Dorf ging es in die Natur zu einer Lichtung, auf der wunderschöne Araber ästen und wir über den Steilhang hinweg den Sonnenuntergang über dem Meer miterleben konnten. Daneben eine Art Kirche im Freien mit Mariastatue und Kirchenbänken mitten in der Natur. Ein schönes Ende eines ereignisreichen Tages.

Pferdegeflüster

Tags drauf war der erste Stopp nochmal die Campagna. Bene hatte einen Narren an dem Hahn meines Onkels gefressen und wollte ihm nochmal ein Ehrenshooting geben. Meine Versuche, den Hahn einzufangen, scheiterten kläglich und endeten mit einer aufgeregten Hühnerschar. Zum Glück kam mein Onkel uns zur Hilfe und hatte ihn innerhalb weniger Sekunden auf meinen Schoß gehievt. Dort blieb der etwas verschreckte Hahn denn auch brav sitzen und ließ sein herrliches Gefieder ablichten.

Bene ist begeistert vom Nduja Geruch

Nachmittags ging es mit Francesco und dem ehemaligen Bürgermeister nach Spilinga, wo die berühmte Nduja Wurst herkommt. Das ist eine Wurst aus Hackfleisch und unglaublich viel Peperoncino. Wir wurden durch die Hallen von zwei Nduja Manufakturen geführt, in denen ein durchdringender Duft nach Geräuchertem und äh Blut? Fleisch? In der Luft hing. Simone trat denn auch recht schnell den Rückzug an, wir anderen hielten tapfer aus beziehungsweise die Luft an und besahen uns die Riesen-Ndujas von fast 100Kilo.

Abends hatte besagter Ex-Bürgermeister eine „Grilliata“, also einen Grillabend auf dem Land organisiert. Der Besitzer des Landhauses tischte uns die leckersten Gerichte auf.

Das Essen wurde begleitet von einer kleinen Truppe Tarantella-Musiker, die begeistert die traditionell kalabresischen Weisen trommelten und sangen. Schon bald wurde die Tafelrunde aufgelockert, indem sich einige zum Tanz begaben. Es wurde ein lustiger Abend, bei dem Simone und ich alsbald wild mittanzten. Natürlich fehlte es weder an Wein, der in kanisterartigen Flaschen bereitstand, noch an scharfem Grappa.

Tag 4 bricht an – jede Menge Action in Kalabrien

Inzwischen waren wir bei Tag 4 angekommen und wollten ihn eigentlich etwas entspannter angehen. Weit gefehlt- Bene und Christoph wollten noch mit ihrer GoPro Kamera unter Wasser filmen. So begaben wir uns nochmal an die Küste, um ein geeignetes Boot zu finden. Wir landeten bei einer kleinen Bucht, wo uns ein Fischer sein Boot spontan für mehrere Stunden überließ. So einfach geht das hier nämlich in Kalabrien, am besten nichts planen und einfach drauf los. Die Überlegung war, mit der GoPro unter dem Boot durchzuschwimmen, was sich als nicht ganz so einfach erwies. Einige Stunden und einen halben Sonnenstich später waren wir einigermaßen zufrieden und begaben uns sogleich zur nächsten Station: der Tarantella Show mit den “Giganti”…

Eine Tanzgruppe trat auf einem Dorfplatz auf, mit Tamburin, Tänzerinnen und den „Giganti“, Riesenpuppen, die arme schwitzende Jungs auf ihren Schulten trugen und die wohl in früheren Zeiten an den Küsten auf und ab getragen wurden. Feinde sahen die „Giganti“ von Weitem, dachten es seien riesenhafte Menschen und trauten sich nicht, näher an die Küste zu fahren.

Abends hatten unsere Verwandten uns alle zum Essen eingeladen, zu Pasta alle Vongole, einem riesigen Bottich voller Krabben, gegrillten Zucchini und Tartufo-Eisen. Obwohl meine Verwandten kein englisch und die Filmcrew kein italienisch können, wurde die Runde mit jedem Gang ausgelassener. Ganz zum Schluss blieben nur noch Bene und mein Onkel übrig, die sämtliche im Hause befindlichen Limoncello Flaschen leerten- ein Fest der interkulturellen Vereinigung! 😉

Italien Roadtrip: Familie in Kalabrien

Ein echtes Erlebnis: Morgens mit den Fischern zum Schwertfischangeln

Klettern auf den Bootsmast

So war Benes Erwachen am nächsten Morgen dementsprechend euphorisch. Vor allem, da es um 5 Uhr in der Frühe los zu den Fischern nach Scilla im Süden Kalabriens ging. Wir wollten nochmals raus aufs Meer. Diesmal mit einem Schwertfischboot. Falls ihr schon mal in Kalabrien wart, habt ihr die eigentümliche Gestalt der Boote sicher bereits bemerkt. Sie haben einen langen dünnen Steg nach vorn und einen sehr hohen Mast nach oben. Auf diesen kletterte ein Großteil der Fischer- nachdem sie sich bekreuzigt hatten und natürlich ohne Sicherung- und zwei blieben unten.

Einer der unten Gebliebenen ist praktisch der wichtigste Mann on Board, denn er ist derjenige, der vorrennt und versucht, den Fisch mit der Harpune zu fangen. Er hatte den Spitznamen „Il gatto“, also „die Katze“. Denn im Prinzip hängt er den lieben langen Tag entspannt auf Deck herum. Bis die oben Stehenden einen Schwertfisch sichten und verfolgen. Dann rast er urplötzlich mit der Harpune in der Hand nach vorn über den Steg, zielt… und versenkt die Harpune im Wasser.

An diesem Tag ließ der Fang allerdings auf sich warten. Stunde um Stunde fuhren wir an der Küste auf und ab, auf und ab.. Dreimal wurde ein Schwertfisch gesichtet, entwischte aber. Beim vierten Mal erwischte „il Gatto“ den großen Schwertfisch schließlich und er wurde an Board gezogen. Die erste Aktion danach war, dem Fisch mit den Fingern gleichzeitig vier Kreuze ins Gesicht zu kratzen, was nach einer 5000 Jahre alten Tradition noch immer gemacht wird und „den bösen Blick“ fernhält. Das Warten hat sich also gelohnt und nach einem kurzen Besuch bei Gastgeber Demetrio geht’s noch einmal zurück in unser Haus nach Kalabrien.

Italien Roadtrip: Das bestimmt beste Granita-Eis gab’s in Graniti

 Italien Roadtrip: In Graniti Bürgermeister treffen

Unsere zweite Station war Sizilien bei Gastgebern Karin & Salvatore. Die beiden empfingen uns herzlich wie immer und luden uns erstmal auf eine der berühmten Granitas ein. Beide hat es nach vielen Jahren in der Schweiz wieder in Salvatores Heimat zurückgezogen, wo sie einige Häuser in Ferienwohnungen umstrukturiert, eine lokale Slow Food Produktion aufgebaut und ganz nebenbei das gesamte Dorf mit ihrem Charme und ihren Ideen verändert haben. So haben sie einen Artspace gebaut und lassen von Künstlern aus aller Welt Mauern alter Gebäude mit Wandmalereien verschönern.

Abend brachten sie uns in die beste Pizzeria des Ortes, die Flora, wo wir zu der leckeren Pizza außerdem Salvatores neueste Kreation probieren durften – Salsiccia (grobe Bratwurst) mit getrockneten Kirschen.. Salva und Karin hatten einiges an Programm für uns, am nächsten Tag trafen wir uns erstmal mit dem Bürgermeister. Der entpuppte sich als noch recht junger Mann mit vielen Ideen und wir fabulierten über gemeinsame Möglichkeiten, alte Dorfhäuser wieder neu beleben zu lassen. 

Nach einem Besuch bei einer Käserei ging es zum vorerst letzten Stopp für Dominik und mich. Auf dem Programm stand  die „Gole dell’Alcantara“, die Schlucht Alcantara, mit dem wellenförmigen von Wasser ausgehöhlten Felsen. Ein wahrhaft prächtiger Abschied, den uns dieses Land schenkte!

Gole dell'Alcantara mit Simone Geißler

Der Rest des Filmteams durfte noch fast eine ganze Woche länger in Italien bleiben.

Sie bestiegen am nächsten Tag noch den Ätna, stellten zusammen mit den „Mamme“ selber Maccheroni her, fuhren zum ehemaligen Filmset des „Patens“ und gingen zum Fischmarkt nach Catania. Danach ging’s gen Norden nach Umbrien in ein altes Schloss und zum Trüffel sammeln, nach Barga in der Toskana in Giordanos Kunstausstellung und zu guter Letzt zu Massimo an den Comer See in seine Casa della Musica.

Selbst für mich, die schon so oft durch Italien gereist ist, bietet dieses Land immer wieder neue Überraschungen, Landschaften und Persönlichkeiten. Und auf den Film, der für die Saison 2018 vorbereitet wird, bin ich mindestens ebenso gespannt wie ihr! :-)

Eure Maja von amavido

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